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08.11.2017

300 junge Flüchtlinge von Kreisjugendamt Würzburg betreut

Seit dem Jahr 2014 haben die Jugendämter eine neue Aufgabe zu bewältigen: Die Unterbringung und pädagogische Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Ausländern (UMA). Dem Kreisjugendamt Würzburg wurde jetzt der 300. junge Flüchtling ohne Begleitung von Eltern zugewiesen, berichtete Hermann Gabel, Fachbereichsleiter für Sozialpädagogische Dienste am Jugendamt des Landkreises. „In den letzten drei Jahren haben wir eine völlig neue Betreuungsstruktur auf- und ausbauen müssen“.

„Zur Zeit kommen noch drei bis zehn neue Flüchtlinge im Monat, vermehrt aus Afghanistan und Afrika“, resümiert die koordinierende Sozialpädagogin Verena Pappenberger. „Momentan haben wir in den von uns belegten Einrichtungen und Diensten 63 junge minderjährige Flüchtlinge und junge Volljährige - davon 55 männliche und acht weibliche.“

Für jeden neu zugewiesenen Flüchtling wird vom Jugendamt ein Vormund bestellt und nach einem sechswöchigen sogenannten „Clearing“ entschieden, welchen Erziehungshilfebedarf der junge unbegleitete Flüchtling hat und welche Betreuungsform er oder sie benötigt. Hier ist die Zusammenarbeit mit Schulen, Berufsschulen, der Agentur für Arbeit und den Kammern wichtig. Schwierig gestaltet sich die Suche nach geeigneten Dolmetschern, da hier nicht nur die Landesprache, sondern auch regional unterschiedliche Sprachregionen zu berücksichtigen sind.

„Auffällig ist, dass wir in den letzten drei Monaten vermehrt von südlichen Grenzju-gendämtern, wie etwa dem Bodenseeraum, Mädchen bekommen“, erzählt Jana Lange, M.A. Sozialpädagogin, die schwerpunktmäßig für weibliche junge Flüchtlinge zuständig ist. „Diese jungen Frauen, zumeist aus Südwestafrika, weisen schlimme Krankheiten auf, wurden vergewaltigt oder sind schwanger“.

Hier musste das 5-Säulen-Modell der Betreuung von UMA im Landkreis Würzburg (1. Clearing; 2. Vollstationäre Wohngruppe; 3. Pflegefamilie; 4. Verselbständigungs-wohnen; 5. Ambulante Betreuung) um eine weitere Wohngruppe für junge Mütter und Kinder erweitert werden.

Die Betreuungsstruktur im Landkreis Würzburg mit den Schwerpunktpartnern Kolping Mainfranken, Liobaheim Würzburg und Jugendhilfe Creglingen ist mittlerweile sehr differenziert und ausreichend. Mit den neuen Nationalitäten kommen allerdings auch neue Herausforderungen. Hier sind klare, regelkonforme und konsequente pädagogische Konzepte gefragt.