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16.07.2021

Stadt und Landkreis möchten Bildungsregion Stadt.Land.Wü werden und bündeln dafür ihre Kräfte

Stadt und Landkreis Würzburg bewerben sich beim Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus um das Zertifikat „Bildungsregion in Bayern“. Dazu unterzeichneten Schulbürgermeisterin Judith Jörg und stellvertretende Landrätin Christine Haupt-Kreutzer eine Interessensbekundung, die sowohl von der Regierung von Unterfranken als auch dem Ministerialbeauftragter für Realschulen in Unterfranken im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus unterstützt und mitgetragen wird. Stadt und Landkreis setzen sich das Ziel, in drei Jahren das Gütesiegel „Bildungsregion Stadt.Land.Wü“ vom Bayerischen Kultusministerium zu erhalten.


Die stellvertretende Landrätin und die Stadtschulrätin forcieren die Kooperation: „Bildung endet nicht an Stadt-Landkreis-Grenzen. So profitieren beispielsweise Menschen jeden Alters aus dem Landkreis von den Bildungsangeboten der Stadt. Durch die Bildungsregion Stadt.Land.Wü schaffen wir gemeinsame Strukturen, die allen Bürgerinnen und Bürgern Mehrwert bringen sollen“, sagt Schulbürgermeisterin Judith Jörg. „Bildung eröffnet in allen Lebensbereichen und -abschnitten nicht nur Chancen und Möglichkeiten, es ist für mich auch stets eine generationsübergreifende Investition in die Zukunft. Bildung soll Spaß machen, daher brauchen wir Formen (gerade für Kinder und Jugendliche), die Bildung nicht als Aufholen von Defiziten oder zusätzliches Lernen wie in der Schule sehen“, so Christine Haupt-Kreutzer. Beide wünschen sich, dass sich die Region zu einem Bildungshotspot entwickeln werde.

Auf Basis bestehender Strukturen soll ein Bildungsnetzwerk geknüpft werden, von dem die Bürgerinnen und Bürger jeden Alters profitieren werden. Die Stadt Würzburg hat dank Bildungsbüro, Schulentwicklungsplanung, breit aufgestellten Bildungsnetzwerken und systematischer Gremienstruktur in der Bildungsplanung „ein breite Spanne“, wie es Klaus Rostek, Leiter des Fachbereichs Jugend und Familie des Landratsamtes, ausführte. Das Landratsamt hat jedoch ebenfalls Bildungsstrukturen wie die Fachstelle für Bildungskoordination, Bildungsnetzwerke und Arbeitsgruppen aufgebaut. Auf besonderes städtisches Interesse dürfte der Jugendkreistag treffen, ein Jugendparlament aus 70 gewählten Schülerinnen und Schülern des Landkreises, die im Sinne „praxisnahen Lernens“ nicht nur lokale Themen diskutieren, sondern auch deren Umsetzung im Rahmen eines festgesteckten Budgets verantworten. In der Stadt Würzburg bringen sich Jugendliche in Form der WÜSTs (Würzburger Schüler*innen-Tage), der Arbeit des Stadtteilcheckers oder in Parallelformaten im Rahmen der ISEKs in kommunale Gestaltungsprozesse ein – derzeit aber noch ohne eigenes Budget.

Ideen und Strukturen zu generationen- und topografischen Grenzen überschreitender Zusammenarbeit gibt es also viele. Getragen werden sollen diese in der „Bildungsregion Stadt.Land.Wü“ von mehreren inhaltlichen Säulen. Diese sind, wie Nadine Bernard, die Leiterin des Bildungsbüros, und Jana Hölz, Bildungskoordinatorin am Landratsamt, ausführten:

  • Übergangsmanagement von der Kita in die Schule in den Beruf
  • Kooperationen, Bildungspartnerschaften, Netzwerke
  • Alle Talente in der Region fördern, Bildungsgerechtigkeit
  • Lebenslanges Lernen in der Region: generationenübergreifende Bildungsangebote
  • Bildung im gesellschaftlichen Wandel
  • Bildung im digitalen Zeitalter
  • Inklusion und Integration

Genauso wie das Thema Digitalisierung wird auch der Bereich der Familienbildung ein weiteres Querschnittsthema darstellen.

Daniela Schuster, Leiterin des Fachbereichs Schule in der Stadt Würzburg, sieht den Fachbereich Schule „tief verwurzelt“ in diesen Themen und blickt der Kooperation freudig entgegen. „Das Denken muss weg vom reinen Lehrplan gehen und sich auch außerhalb des klassischen Schulbilds etablieren. Dies ist umso wichtiger, da immer mehr Kinder und Jugendliche immer mehr Zeit in den Schulen verbringen. Wir haben die Verantwortung, für gute Bildung und Erziehung zu sorgen, und nicht nur Stühle und Tische zur Verfügung zu stellen.“ Für die Sozialreferentin der Stadt Würzburg, Dr. Hülya Düber, sind die Bestrebungen zur gemeinsamen Bildungsregion „ein wahrer Segen“. In den Feldern Übergangsmanagement und Familienbildung ist zugleich das Sozialreferat der Stadt aktiv, von der frühkindlichen, außerschulischen Bildung bis zur Seniorenbildung: „Die außerschulische, pädagogische Betreuung von Kindern und Jugendlichen liegt in der Hand der Kitas, der Jugendzentren, der Kinder- und Jugendarbeit. Dort leisten wir bereits sehr viel. Doch das reicht nicht aus. Wenn wir die Kräfte bündeln, kann unsere gesamte Bildungslandschaft großen Nutzen aus diesem intensiven Weg ziehen.“

Karlheinz Lamprecht, Ministerialbeauftragter für Realschulen in Unterfranken und diesjähriger Vorsitzender der Schulaufsicht aller Schularten, betonte, dass sich alle Schularten auf eine Vernetzung mit außerschulischen Partnern freuen und daher die Einrichtung einer Bildungsregion unterstützen: „Um unserem Bildungs- und Erziehungsauftrag angesichts der Herausforderung des gesellschaftlichen Wandels gerecht zu werden, brauchen wir als Schule außerschulische Partner.“

Den genannten Säulen werden Arbeitskreise zugeordnet, die von jeweils einer/m Säulensprecher/in aus Stadt und Landkreis vertreten werden. In den partizipativen Prozess sollen möglichst alle Interessen mitgenommen und daher auch die Bürgerinnen und Bürger jeden Alters eingebunden werden, vom Kind bis zum Senior.

Text: Claudia Lother, Stadt Würzburg