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17.11.2025

Wichtiges Signal für Familien in der Region: Würzburger Kreistag stimmt geschlossen für Maßnahmen zur Sicherung der Geburtshilfe des Klinikums Würzburg Mitte

Der Landkreis Würzburg ist einen wichtigen Schritt zur Rettung der Geburtshilfe am Klinikum Würzburg Mitte (KWM) gegangen. Der Kreistag hat in einer Sondersitzung nach intensiver Diskussion einstimmig beschlossen, Möglichkeiten einer finanziellen Unterstützung zu prüfen.

Mit durchschnittlich 2.200 bis 2.500 Geburten pro Jahr betreibt das KWM eine der größten Geburtshilfestationen in Unterfranken. Seit einigen Jahren steht das Klinikum Würzburg Mitte allerdings zunehmend unter finanziellem Druck. KWM-Geschäftsführer Dominik Landeck wies für 2024 einen Jahresfehlbetrag von rund 9,7 Millionen Euro aus. Davon entfallen laut Angaben des KWM etwa 2,4 Millionen Euro auf den Bereich der Geburtshilfe. Die Stiftung Juliusspital, Hauptgesellschafterin der KWM gGmbH, kann diese Last nicht mehr allein schultern. Das KWM hatte sich daher mit einem Hilferuf an die Landkreise Würzburg und Main-Spessart sowie an die Stadt Würzburg gewandt.

Landkreis Würzburg prüft drei Lösungsansätze

Landrat Thomas Eberth präsentierte dem Kreistag in der Sondersitzung drei Lösungsansätze, die nun untersucht und ausgearbeitet werden: Der Erwerb von Gesellschafteranteilen an der KWM gGmbH mit Übernahme eines anteiligen Defizits, die Gründung einer Geburtshilfe-gGmbH zusammen mit der Stadt Würzburg, dem Landkreis Main-Spessart sowie der Klinikum Würzburg Mitte gGmbH oder die Gewährung eines rein finanziellen Zuschusses in Höhe von 720.000 Euro.

Geschlossen legten die Mitglieder des Kreistags in ihrem Beschluss außerdem fest, dass im Sinne der Familien und der gebärenden Frauen auch eine Beteiligung der Stadt Würzburg und des Landkreises Main-Spessart erwartet wird. Eine Entscheidungsgrundlage soll dem Kreistag bis Ende des Jahres 2025 vorgelegt werden.

Klinikum Würzburg Mitte als wichtiger Versorger in Unterfranken

Das Klinikum Würzburg Mitte ist 2017 aus dem Zusammenschluss des Juliusspitals und der Missioklinik hervorgegangen. Die Stiftung Juliusspital trägt als gemeinnützige Trägerin die Verantwortung für die Finanzierung. Mit rund 650 Planbetten und etwa 2.400 Beschäftigten an den beiden Standorten in Würzburg gehört das KWM zu den wichtigen Versorgungsstandorten in Mainfranken.

2024 hatte das KWM die Stadt Würzburg sowie die Landkreise Würzburg und Main-Spessart um finanzielle Unterstützung gebeten, da ein großer Teil der entbindenden Frauen aus diesen Gebieten stammt. Im Jahr 2023 kamen 659 der insgesamt 2.400 dort geborenen Kinder aus dem Landkreis Würzburg. Seit der Schließung der Geburtshilfe an der Main-Klinik Ochsenfurt Ende 2007 verfügt der Landkreis Würzburg über keine eigene Geburtenstation mehr.

Nach der Bayerischen Landkreisordnung sind die Landkreise und kreisfreien Städte jedoch grundsätzlich verpflichtet, im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit eine angemessene Krankenhausversorgung sicherzustellen, sofern nicht anderweitig die Versorgung sichergestellt wird. Die ausreichende Finanzierung dieser Leistungen wiederum muss laut Gesetz der Bund gewährleisten. Tatsächlich führt die unzureichende Finanzierung seit Jahren zu steigenden Defiziten in den Kliniken und belastet am Ende mehr und mehr die ohnehin angespannten Haushalte der Kommunen.

Landrat Thomas Eberth: „Wir brauchen gesicherte Strukturen in der Geburtshilfe“

„Die wirtschaftliche Not, vor der die Krankenhäuser stehen, bringt uns vor schwierige Entscheidungen“, sagt Landrat Thomas Eberth. „Aber wir können nicht mehr darauf warten, bis der Bund oder der Freistaat beim Klinikum Würzburg Mitte einspringen. Angesichts der demografischen Entwicklung ist klar: Wir brauchen auch künftig zuverlässige Strukturen in der Geburtshilfe. Junge Menschen, die eine Familie gründen möchten, brauchen diese Gewissheit und Stabilität. Nachdem es kein anderer tut, müssen wir diese Herausforderung hier vor Ort selbst lösen.“

Zum Hintergrund

Der Landkreis Würzburg ist über sein Kommunalunternehmen Träger der Main-Klinik Ochsenfurt. Die Klinik arbeitet seit mehreren Jahren defizitär; für 2025 wird ein Jahresfehlbetrag von rund 4,5 Millionen Euro erwartet. Die Geburtsstation der Main-Klinik wurde bereits 2007 aufgrund der damals stark rückläufigen Geburtenzahlen – zuletzt etwa 200 Geburten pro Jahr – geschlossen. Die Stadt Würzburg betreibt keine eigene Klinik.