Fachworkshops zum integrierten Klimaschutzkonzept
Der Landkreis Würzburg treibt die Entwicklung seines integrierten Klimaschutzkonzepts weiter voran. Anlass für diesen Prozess ist der zunehmend spürbare Klimawandel auch in Unterfranken: Hitzerekorde, anhaltende Dürren, Wassermangel, geschwächte Wälder und schwere Unwetter zeigen deutlich, wie stark die Region bereits betroffen ist. Da sich die Erde aufgrund von Kippunkten immer schneller erwärmt, ist entschlossenes Handeln notwendig.
Im Rahmen der Konzeptentwicklung fanden Mitte November 2025 drei Fachworkshops mit insgesamt ca. 50 Teilnehmenden im Landratsamt statt, um unterschiedliche Akteursgruppen einzubeziehen und gemeinsam Maßnahmen zu entwickeln. Zu Beginn aller drei Workshops stellte der Klimaschutzmanager des Landkreises Würzburg, Christian Graf, die Hintergründe und Motivation des Landkreises Würzburg zur Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzeptes vor. Neben dem eingangs erwähnten Fortschreiten des Klimawandels bestehen gesetzliche Klimaneutralitätspflichten. So muss der Landkreis Würzburg als Gebietskörperschaft als Teil des Freistaates Bayern bis 2040 klimaneutral sein. Das Klimaschutzkonzept soll der Fahrplan hierfür werden.
Daran anschließend folgten fachliche Inputs zum Heranführen an die jeweiligen Workshopthemen sowie eine Vorstellung des momentanen Standes des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen im Landkreis Würzburg. Besonders auffällig ist, dass der Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor im Landkreis Würzburg im Vergleich zum Bundesdurchschnitt überrepräsentiert sind. Das liegt zum einen an den drei Autobahnen im Landkreisgebiet und zum anderen einem recht hohen Anteil von Verbrennungsmotoren im motorisierten Individualverkehr.
Fachworkshop „Klimaschutz in der Regionalentwicklung“
Im ersten Workshop unter dem Titel „Klimaschutz in der Regionalentwicklung“ arbeiteten die Teilnehmenden im Anschluss in zwei Gruppe an Maßnahmen zu den Themen „Kreisentwicklung“ und „Energie“. Die Moderation der Gruppen wurde dabei jeweils vom Leipziger Institut für Energie übernommen, welches den Landkreis bei der Konzepterstellung unterstützt.
In der Gruppe „Kreisentwicklung“, moderiert von Anne Scheuermann, wurde insbesondere die Bedeutung einer aktiven und frühzeitigen Öffentlichkeitsarbeit hervorgehoben. Viele Teilnehmende äußerten den Wunsch nach mehr Information und Transparenz zum Thema Nachhaltigkeit im Landkreis. Diskutiert wurden unter anderem die Entwicklung eines Kommunikationsleitfadens mit Vorlagen und Bildmaterial für die Gemeinden, die Einrichtung einer Koordinierungsstelle sowie Schulungsangebote für Bürgermeisterinnen und Bürgermeister.
Die Energiegruppe, moderiert von Ilka Erfurt, befasste sich mit verschiedenen Ansätzen zur Neugestaltung der Energielandschaft. So wurde unter anderem diskutiert wie bestehende Energieinfrastrukturen wie etwa Biogasanlagen auch künftig sinnvoll und systemdienlich genutzt werden können und wie Energiespeicher beschaffen sein müssen, um einen Mehrwert für das Energienetz bereitzustellen. Auch die Bedeutung der Vernetzung aller relevanter Akteure des Energiesystems wurde hervorgehoben.
Die Dokumentation der Veranstaltung kann hier eingesehen werden.
Fachworkshop „Treibhausgasneutrale Kommunalverwaltung“
Der zweite Workshop widmete sich dem Thema „treibhausgasneutrale Kommunalverwaltung“ und richtete sich an die Mitarbeitenden des Landratsamts. Die Verwaltung hat zwar einen vergleichsweise geringen Anteil an den Treibhausgasemissionen im Landkreis, nimmt aber eine Vorbildfunktion in Sachen Klimaschutz ein. Der Kreistag hat daher das Ziel einer CO2-neutralen Landkreisverwaltung bis 2030 gesetzt. Dr. Anja Zürn, Klimaschutzmanagerin der Stadt Würzburg, stellte in einem Fachimpuls die Klimaschutzmaßnahmen der Stadt vor. Dazu zählen unter anderem ein kommunaler Sanierungsfahrplan mit eigenem Energiestandard sowie mehrere Digitalisierungsprojekte.
Anschließend diskutierten die Mitarbeitenden des Landratsamtes über Klimaschutzmaßnahmen innerhalb der Verwaltung. Es wurden unter anderem die Umstellung des Fuhrparks auf E-Fahrzeuge, die verstärkte Nutzung des ÖPNV für Dienstreisen sowie die bessere Bewerbung des Mitfahrportals erörtert und welche Voraussetzungen hierfür gegeben sein müssen. Auch die Einführung eines verpflichtenden Schulungsmoduls zum Thema Nachhaltigkeit – nach Vorbild der Stadt Würzburg – wurde angeregt. Im Bereich der nachhaltigen Beschaffung gibt es bereits verbindliche Vorgaben wie etwa eine Bio-Quote bei Lebensmitteln, dennoch sollte über eine Ausweitung der Nachhaltigkeitskriterien nachgedacht werden.
Die Veranstaltungsdokumentation steht hier zur Einsicht bereit.
Fachworkshop „Nachhaltige Mobilität“
Der dritte Workshop befasste sich mit „nachhaltiger Mobilität“. Dominik Stiller, Betriebsleiter der APG, stelle als Einstieg ins Thema das bestehende ÖPNV-Angebot im Landkreis Würzburg vor.
Danach diskutierten die teilnehmenden Fachakteure verschiedene Konzepte zur Stärkung des ÖPNV sowie des Rad- und Fußverkehrs. Ein zentraler Gedanke war, dass Bequemlichkeit maßgeblich über die Wahl des Verkehrsmittels entscheidet. Damit Bürgerinnen und Bürger vermehrt klimafreundliche Angebote nutzen, braucht es sowohl starke Pull-, aber auch Push-Maßnahmen. Zu ersteren zählen schnellere und angenehmere Busse, z.B. durch Ampelvorrangschaltungen und W-LAN, sowie barrierefreie und ansprechende Haltestellen. Die Ausweitung von On-Demand-Diensten wie „callheinz“ kann das ÖPNV-Angebot auf dem Land ergänzen. Als Push-Maßnahme muss aber auch die vorherrschende Begünstigung des motorisierten Individualverkehrs zur Diskussion gestellt werden. Wenn zum Beispiel Autospuren zu Busspuren umgewidmet werden, sollte dies jedoch positiv kommuniziert werden. Im Bereich Radverkehr wurde die Etablierung sicherer Bike+Ride-Abstellanlagen als wichtiger Bestandteil der Multimodalität genannt.
Die Dokumentation zu diesem Workshop kann hier heruntergeladen werden.
An allen drei Workshops entstanden rege Diskussionen unter den Teilnehmenden mit vielen hilfreichen Hinweisen und Vorschlägen. Die Ergebnisse bilden wichtige Bausteine der interaktiven Maßnahmenentwicklung, die nun in die konkrete Maßnahmenentwicklung einfließen werden. Parallel dazu besteht weiterhin die Möglichkeit, über die Online-Ideenkarte Vorschläge einzubringen: www.ideenkarte.de/landkreis-wuerzburg. Bis Januar 2026 eingegangene Vorschläge werden im Rahmen der Konzepterstellung geprüft und nach Möglichkeit als Anregungen für künftige Klimaschutzmaßnahmen aufgenommen. Nach Fertigstellung des Klimaschutzkonzeptes wird dieses dem Kreistag zum Beschluss vorgelegt. Im Sommer 2026 sollen erste Maßnahmen daraus umgesetzt werden.