Wo Kinder ihre eigene Stadt bauen: Der Landkreis Würzburg ist Bayerns Hochburg der Abenteuerspielplätze Minipolis entsteht in diesem Jahr in Altertheim
Hammer statt Handy, Holzbretter statt Bildschirm: Beim Hüttendorf in Altertheim erschaffen 84 Kinder und Jugendliche in den Sommerferien ihre eigene kleine Stadt Minipolis. Was dort in zwei Wochen mit viel Kreativität, handwerklichem Geschick und Gemeinschaftssinn entsteht, ist Teil einer besonderen Erfolgsgeschichte: Nirgendwo in Bayern gibt es gemessen an der Zahl junger Menschen so viele Abenteuerspielplätze wie im Landkreis Würzburg.
Disco, Kino, Zoo, Kneipe oder Eisdiele – wer durch Minipolis spaziert, stößt auf manches, was auch eine richtige Stadt zu bieten hat. Sogar ein eigenes Rathaus gehört dazu. Nur gebaut ist hier fast alles aus Holz, und die Architektinnen, Handwerker und Stadtplaner sind zwischen sechs und 14 Jahre alt. Unter Anleitung von Jürgen Schwab von der Kommunalen Jugendarbeit im Landratsamt Würzburg und weiteren Betreuerinnen und Betreuern greifen die jungen Baumeister selbst zu Hammer und Säge. Daneben wird gemalt, gebastelt und gespielt.
Landrat Thomas Eberth und Bürgermeister Andreas Drack zu Besuch in Minipolis
Wie stolz die Kinder auf ihr selbst geschaffenes Dorf sind, erlebten Landrat Thomas Eberth und Altertheims Bürgermeister Andreas Drack bei ihrem Besuch aus nächster Nähe. Gemeinsam mit den von den Kindern gewählten Kinderbürgermeistern führten die jungen Bewohnerinnen und Bewohner ihre Gäste durch Minipolis, öffneten die Türen ihrer Hütten und erklärten, was sie in den vergangenen Tagen geschaffen hatten.
„Wer hier durch Minipolis läuft und sieht, mit welcher Begeisterung die Kinder ihre Ideen verwirklichen, versteht sofort, warum unsere Abenteuerspielplätze seit Jahrzehnten so erfolgreich sind“, zeigte sich Landrat Thomas Eberth beeindruckt. „Hier bekommen junge Menschen Freiräume, können selbst gestalten, gemeinsam Lösungen finden und ganz nebenbei erfahren, was Gemeinschaft, handwerkliches Arbeiten und miteinander spielen bedeutet. Dass der Landkreis Würzburg bei den Abenteuerspielplätzen bayernweit an der Spitze steht, ist eine großartige Bestätigung für die jahrzehntelange hervorragende Arbeit unserer Kommunalen Jugendarbeit und unserer Gemeinden.“
22 von 69 bayerischen Abenteuerspielplätzen liegen im Landkreis Würzburg
Wie außergewöhnlich die Würzburger Tradition ist, zeigt eine aktuelle bayernweite Auswertung. Von insgesamt 69 erfassten Abenteuerspielplätzen befinden sich 22 im Landkreis Würzburg, also fast jeder dritte. Noch deutlicher wird der Vorsprung im Verhältnis zur Zahl der jungen Menschen: Auf 10.000 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und unter 18 Jahren kommen im Landkreis Würzburg 11,7 Abenteuerspielplätze. Der zweitplatzierte Landkreis Coburg erreicht einen Wert von 1,1. Die Zahlen stammen aus der Infrastrukturerhebung 2025.
Hinter diesem Spitzenwert steckt ein Konzept mit langer Tradition. Bereits seit 1979 organisiert der Landkreis Würzburg Abenteuerspielplätze. Die Kommunale Jugendarbeit zieht dabei jeweils für zwei Jahre in eine andere Gemeinde und unterstützt vor Ort beim Aufbau des Abenteuerspielplatzes. Die Idee: Der Landkreis beginnt und anschließend führt die Kommune das Ferienangebot möglichst in eigener Regie weiter. Über Jahrzehnte ist auf diese Weise ein dichtes Netz an Hüttendörfern im Landkreis Würzburg entstanden.
Ein Erfolgsmodell, das seit Jahrzehnten Früchte trägt
Einer, der diese Entwicklung seit mehr als 30 Jahren begleitet, ist Jürgen Schwab. 1995 war er erstmals bei einem Abenteuerspielplatz dabei, ein Jahr später übernahm er selbst die Leitung. Dass sich die Idee in so vielen Gemeinden dauerhaft etabliert hat, macht ihn stolz: „Wenn man über Jahrzehnte immer wieder in einer anderen Gemeinde etwas aufbaut und heute sieht, welche Früchte diese Arbeit trägt, dann weiß man: Wir waren auf dem richtigen Weg.“ Auch andernorts fand das Würzburger Modell Nachahmer und diente als Vorbild für ähnliche Angebote.
Entscheidend für den Erfolg sind dabei die Gemeinden selbst. Sie stellen unter anderem Gelände, Wasser, Strom, Toiletten und bei Bedarf Ausweichmöglichkeiten bereit und unterstützen die Organisation beispielsweise über ihre Bauhöfe. Aus einem zeitlich begrenzten Projekt des Landkreises kann so ein dauerhaftes örtliches Ferienangebot werden.
Eine Kugel Eis zum Abschluss des Rundgangs
In Altertheim können die 84 angemeldeten Kinder und Jugendlichen zwei Wochen lang erleben, was dieses Konzept ausmacht. Und weil Mitte August nicht nur beim Sägen und Hämmern ordentlich ins Schwitzen zu kommen war, wartete beim Besuch des Landrats noch eine Überraschung: Ein Eiswagen rollte auf das Gelände. Thomas Eberth wechselte kurzerhand die Rolle, stellte sich hinter die Ausgabe und verteilte das vom Landkreis spendierte Eis an die jungen Baumeisterinnen und Baumeister.
So bekam ein heißer Sommertag in Minipolis schließlich noch einen ziemlich kühlen Abschluss.
Gemeinsam mit dem Bürgermeister Andreas Drack hofft der Landrat, dass dieses Angebot noch viele Jahre bestehen bleiben kann. „Gerade in Zeiten von Handy, Social Media und Co. sind solche Angebote für die Entwicklung unserer Kinder und Jugendliche wichtiger denn je. Daher danken wir dem Kreistag, dass er die Mittel zur Verfügung stellt und hoffen, dass dies noch viele Jahre der Fall sein wird, um solche wunderbaren und wichtigen Angebote aufrechtzuerhalten.“ betont Eberth und Drack.