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03.08.2026

Ein Leben für die Feuerwehr: Landkreis Würzburg verabschiedet Kreisbrandrat Michael Reitzenstein in den Ruhestand - Dank und Anerkennung für langjährige Verdienste

Mit stehenden Ovationen ist Michael Reitzenstein als Kreisbrandrat des Landkreises Würzburg verabschiedet worden. Rund 300 Gäste aus Politik, Verwaltung sowie der gesamten Blaulichtfamilie waren ins Feuerwehr- und Katastrophenschutzzentrum des Landkreises Würzburg in Klingholz gekommen, um den langjährigen Chef der Kreisbrandinspektion nach 42 Jahren Feuerwehrdienst in den Ruhestand zu verabschieden. Höhepunkt des Abends war die Ernennung Reitzensteins zum Ehrenkreisbrandrat des Landkreises Würzburg durch Landrat Thomas Eberth.

„Wo ist nur die Zeit hin?“, eröffnete Eberth seine Laudatio und erinnerte an den 3. März 2016, als Michael Reitzenstein in Güntersleben zum Kreisbrandrat gewählt wurde. Die vergangenen zehn Jahre seien eine prägende Zeit für den Brand- und Katastrophenschutz im Landkreis gewesen. Reitzenstein habe nicht nur Verantwortung übernommen, sondern das Feuerwehrwesen strategisch weiterentwickelt und damit die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger nachhaltig gestärkt.

Aus Beruf wurde Berufung

Mit 23 Jahren begann Michael Reitzenstein seinen Dienst an der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg. Nach einer Ausbildung zum technischen Zeichner fand er dort seine berufliche Heimat und zugleich seine Leidenschaft für das Feuerwehrwesen. Obwohl er zunächst nicht aus einer Freiwilligen Feuerwehr kam, engagierte er sich bald auch in seiner Heimatgemeinde Rimpar, zunächst als Jugendwart, später als stellvertretender Kommandant.

Sein Weg führte ihn über die Ämter des Kreisbrandmeisters und Kreisbrandinspektors an die Spitze der Landkreisfeuerwehren. Seit 2016 stand er als Kreisbrandrat an der Spitze der Kreisbrandinspektion, nach seiner Wiederwahl 2021 bis zum Ende seiner Amtszeit am 31. Juli 2026.

Feuerwehrwesen nachhaltig weiterentwickelt

Während seiner Amtszeit wurden zahlreiche Projekte angestoßen, die den Brand- und Katastrophenschutz im Landkreis bis heute prägen. Unter Reitzensteins Führung entstand der erste landkreisweite Feuerwehrbedarfsplan Bayerns. Das Feuerwehrzentrum in Klingholz entwickelte sich zum modernen Feuerwehr- und Katastrophenschutzzentrum mit überregionaler Bedeutung. Mit dem landkreisweiten Atemschutzgerätepool entstand zudem ein Konzept, das inzwischen weit über Bayern hinaus Beachtung findet und auch in anderen Bundesländern sowie unter anderem in Österreich als Vorbild dient.

Hinzu kamen die organisatorische Weiterentwicklung der Kreisbrandinspektion, der Ausbau gemeinsamer Strukturen mit den Hilfsorganisationen sowie die kontinuierliche Stärkung der Aus- und Fortbildung der Feuerwehren. „Ich wollte nie verwalten, sondern weiterentwickeln“, sagte Reitzenstein rückblickend. Dieses Leitmotiv habe seine gesamte Amtszeit geprägt.

Verantwortung in außergewöhnlichen Zeiten

Die vergangenen zehn Jahre waren zugleich von außergewöhnlichen Herausforderungen geprägt. Tornado, Schiffshavarie, Großbrände, Hochwasserlagen, der Katastropheneinsatz im Ahrtal oder der Hochwassereinsatz in Günzburg verlangten den Feuerwehren immer wieder Höchstleistungen ab. Besonders hob Landrat Thomas Eberth die Leistungen während der Corona-Pandemie hervor. Gemeinsam mit den Hilfsorganisationen und dem Landratsamt hätten die Feuerwehren unter der Führung Reitzensteins entscheidend dazu beigetragen, die Krise zu bewältigen. Auch bei der Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine habe sich die enge Zusammenarbeit innerhalb der Blaulichtfamilie bewährt.

„Michael Reitzenstein war ein Kreisbrandrat, der immer vor Ort war, bei Feuerwehrfesten, bei staatlichen Ehrungen, bei Versammlungen, egal wie groß oder klein, wie einsatzstark die Feuerwehr war“, lobte Eberth das Engagement des obersten Feuerwehrmanns im Landkreis Würzburg. Für den Landrat steht deshalb fest: Reitzenstein habe seiner Heimat über Jahrzehnte unzählige Stunden geschenkt und den Menschen im Landkreis ein Stück mehr Sicherheit gegeben. Sichtlich bewegt trat Michael Reitzenstein selbst ans Rednerpult. Mehrfach rang er um Fassung. „Ich bin überwältigt“, sagte der 65-Jährige und blickte auf einen Abschiedstag zurück, der bereits am Nachmittag mit seiner Abholung durch Landrat Thomas Eberth und seinen Nachfolger Heiko Menig begonnen hatte. Nach einer gemeinsamen Schifffahrt begleiteten ihn zahlreiche Feuerwehren mit ihren Einsatzfahrzeugen bis zum Feuerwehr- und Katastrophenschutzzentrum nach Klingholz.

Dank an die Familie für viele Entbehrungen

Besonders dankte Reitzenstein seiner Ehefrau, seinen drei Kindern und seiner gesamten Familie. Sie hätten über Jahrzehnte viele Entbehrungen getragen und seinen Einsatz für die Feuerwehr mitgetragen. Mit Blick auf seine Amtszeit zog er eine positive Bilanz: Gemeinsam sei es gelungen, die Feuerwehren im Landkreis Würzburg ein großes Stück zukunftsfähiger aufzustellen. Seinem Nachfolger Heiko Menig übergebe er eine hervorragend aufgestellte Kreisbrandinspektion und wünsche ihm für die verantwortungsvolle Aufgabe alles Gute sowie das notwendige Glück bei künftigen Entscheidungen.

Zum Abschluss seiner Rede sagte Reitzenstein: „Es war mir eine außerordentliche Ehre und Verpflichtung, euer Kreisbrandrat zu sein.“ Die Gäste in der Fahrzeug- und Gerätehalle erhoben sich daraufhin von ihren Plätzen und verabschiedeten ihn mit langanhaltendem Applaus.

Auszeichnungen und Staffelstab

Als besondere Würdigung seiner Verdienste ernannte Landrat Thomas Eberth Michael Reitzenstein zum Ehrenkreisbrandrat des Landkreises Würzburg. Darüber hinaus zeichnete ihn der Kreisfeuerwehrverband Würzburg mit dem Bayerischen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber aus. Dessen stellvertretender Vorsitzender Markus Dürr bezeichnete Reitzenstein als Musterbeispiel für gelebtes Ehrenamt. Auch Kreisbrandinspektor Markus Fleder lobte dessen Arbeit bei Ausbildung, Einsätzen und Weiterentwicklung der Wehren. Für die Blaulicht- und Hilfsorganisationen dankte Uwe Kinstle von der Johanniter-Unfallhilfe für die vertrauensvolle Zusammenarbeit in den vergangenen zehn Jahren. Diese sei stets von gegenseitigem Respekt und einem Miteinander auf Augenhöhe geprägt gewesen.

Mit dem Ende der Amtszeit Michael Reitzensteins endete zugleich die Amtszeit der bisherigen Kreisbrandinspektion. Zum 1. August überreichte Landrat Thomas Eberth die Ernennungsurkunden an die neue Führungsmannschaft. Neben dem neuen Kreisbrandrat Heiko Menig wurden Karsten Ott, Markus Fleder, Markus Dürr und Holger Pfeuffer zu Kreisbrandinspektoren ernannt. Auch die neuen Kreisbrandmeister und Fachberater erhielten ihre Bestellungsurkunden.

Beim anschließenden geselligen Beisammensein im Feuerwehr- und Katastrophenschutzzentrum nutzten zahlreiche Gäste die Gelegenheit, Michael Reitzenstein persönlich für sein jahrzehntelanges Engagement zu danken und ihm für seinen neuen Lebensabschnitt Gesundheit, Zeit mit seiner Familie und alles Gute zu wünschen.