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10.08.2026

Verbrennung von Klärschlamm und Phosphor-Rückgewinnung: Einblicke in Planungen und Arbeit der Firma Michaelis in Veitshöchheim

Wer durch die Werkstore von Michaelis im Veitshöchheimer Gewerbegebiet tritt, dem wird schnell klar: Hier entstehen keine Produkte von der Stange. Die Fertigungshalle ist gesäumt von reisebusgroßen Stahlelementen mit gleichmäßigen Reihen von Bullaugen und großen Luken. Die Mitarbeiter hantieren mit Schweißgeräten und Hebevorrichtungen. Der Gebäudekomplex nebenan besticht durch weite Räume, geometrische Formen und kräftige Farben. Dort befinden sich die Büros der Ingenieure und der Leitung des familiengeführten Unternehmens. „Vielfalt und passgenaue Lösungen sind unsere größten Stärken“, erklärt Inhaber Bernhard Grimm beim Empfang im Foyer.

Landrat Thomas Eberth und Veitshöchheims Bürgermeister Jürgen Götz erhielten gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung einen Einblick in die Arbeit der Michaelis GmbH & Co. KG. Im Mittelpunkt stand der persönliche Austausch mit dem Hausherrn Bernhard Grimm und dessen Sohn Achim Grimm. Der Ortstermin fand im Zuge der regelmäßigen Unternehmensbesuche des Landrats statt, den das Landratsamt Würzburg mit regionalen Firmen pflegt, und unterstrich die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand. „Die Vielfalt unserer Unternehmen ist beeindruckend“, sagt Landrat Thomas Eberth. „Deswegen sind diese Besuche, der Austausch und das Miteinander so wichtig.“

Michaelis entwickelt, plant, fertigt und installiert Anlagen zur Abfallverbrennung, Wärmenutzung und Luftreinigung. Herzstück ist die patentierte Paddelofen-Technologie, die eine effiziente und umweltverträgliche thermische Verwertung unterschiedlichster Abfälle ermöglicht. Nach Unternehmensangaben wurden weltweit bereits mehr als 500 Anlagen realisiert. Am Standort Veitshöchheim beschäftigt Michaelis 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von zehn Millionen Euro. Das Unternehmen wurde 1938 in Düsseldorf gegründet und hat seinen Hauptsitz seit 2004 in Veitshöchheim.

Phosphor-Rückgewinnung aus Klärschlammasche in Veitshöchheim geplant

Rund 90 Prozent aller Anlagen hat Michaelis in den vergangenen Jahren im Ausland errichtet. Der Fokus soll in den kommenden Jahren jedoch wieder auf den deutschen Markt rücken, beginnend mit dem Unternehmenssitz in Veitshöchheim. Bei einem Rundgang über das Betriebsgelände eröffnete Bernhard Grimm den Anwesenden die Planung für eine neue Verwertungsanlage. Sobald diese errichtet ist, soll dort aus der Asche von verbranntem Klärschlamm Phosphor für die landwirtschaftliche Düngung gewonnen werden. Michaelis hat zu diesem Zweck gemeinsam mit Dieter Leimkötter, Geschäftsführer des benachbarten Unternehmens sePura, die Firma Canaphos gegründet.

Phosphor ist ein chemisches Element, das in großer Menge in Klärschlamm enthalten ist und Pflanzen als wichtiger Nährstoff dient. In der Vergangenheit wurde Klärschlamm daher als Dünger und zur Humusbildung auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht. Damit gelangten jedoch auch Schadstoffe wie Schwermetalle, Medikamentenrückstände oder Mikroplastik auf die Äcker. Vor diesem Hintergrund wurde 2017 die bundesweit gültige Klärschlammverordnung erneuert. Vereinfacht gesagt, müssen ab 2029 aus dem Klärschlamm mindestens 80 Prozent des enthaltenen Phosphors zurückgewonnen werden.

Michaelis und sePura wollen mit ihrem neuen Unternehmen Canaphos Kommunen und Abwasser-Zweckverbänden als Betreiber von Kläranlagen helfen, genau diese gesetzliche Pflicht zu erfüllen. Mit der neuen Anlage in Veitshöchheim sollen künftig bis zu 15.000 Tonnen Klärschlammasche jährlich verwertet und der dabei entstehende Phosphor-Dünger von dort aus vertrieben werden. Weitere Anlagen in ganz Deutschland sollen folgen. Laut Michaelis und seinen Partnern sollen so in Veitshöchheim mittelfristig rund 60 neue Arbeitsplätze entstehen und gesichert werden. Derzeit befinde sich das Projekt in der Planungs- und Antragsphase, so Achim Grimm.

„Unternehmen wie Michaelis zeigen eindrucksvoll, welches Fachwissen und welche Innovationskraft im Landkreis Würzburg zu Hause sind“, sagt Landrat Thomas Eberth. „Wer weltweit Lösungen für Umwelt- und Energietechnik entwickelt und gleichzeitig hier vor Ort Arbeitsplätze schafft, stärkt unsere Region nachhaltig. Solche Betriebe sind ein wichtiger Baustein für unsere wirtschaftliche Zukunft.“