Führungswechsel bei den Feuerwehren im Landkreis Würzburg vorbereitet: Heiko Menig gewählt, Michael Reitzenstein gewürdigt
Am Ende des Kreisfeuerwehrtags gab es stehenden Applaus für Michael Reitzenstein – und zuvor eine richtungsweisende Entscheidung für die Zukunft der Feuerwehren im Landkreis Würzburg: Die Kommandanten der 112 Freiwilligen Feuerwehren und der Werkfeuerwehr Südzucker Ochsenfurt wählten Heiko Menig aus Neubrunn zum neuen Kreisbrandrat. In der Rimparer Sporthalle erhoben sich Feuerwehrführungskräfte, Ehrengäste und Vertreter der Blaulichtorganisationen von ihren Plätzen – ein langer, würdevoller Moment, der deutlich machte, welche Anerkennung der scheidende Amtsinhaber genießt. Noch ist er im Amt, noch wird er seinen Nachfolger einarbeiten. Doch dieser Kreisfeuerwehrtag war spürbar mehr als eine turnusmäßige Versammlung. Er war zugleich Abschied und Aufbruch.
Landrat Thomas Eberth stellte die Bedeutung dieses Tages früh heraus und ordnete die Wahl ein: „Wir haben zwei hervorragende Kandidaten, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Das zeigt, wie gut die Feuerwehren im Landkreis Würzburg aufgestellt sind.“ Gleichzeitig unterstrich er deren gesellschaftliche Relevanz: „2,9 Prozent der Bevölkerung in unserem Landkreis leisten ehrenamtlichen Feuerwehrdienst und sorgen dafür, dass alle anderen 97,1 Prozent sicher leben können.“ Ein Satz, der hängen blieb.
Heimspiel und persönliche Bilanz
Für Michael Reitzenstein hatte der Kreisfeuerwehrtag etwas von einem Heimspiel. Er eröffnete die Dienstversammlung mit einem persönlichen Rückblick: sein 20. Kreisfeuerwehrtag als Feuerwehrführungskraft, sein zehnter als Kreisbrandrat und sein erster in seiner Heimatgemeinde. Rimpars stellvertretende Bürgermeisterin Elke Weippert griff diesen Gedanken auf und würdigte Reitzenstein als jemanden, der seine Gemeinde landesweit vertreten habe.
Es war eine Szene, die den Rahmen setzte für einen Sonntagvormittag, an dem sich fachliche Bilanz und persönliche Wertschätzung eng miteinander verbanden. Zugleich war es Reitzensteins letzter Kreisfeuerwehrtag als Kreisbrandrat. Der 65-Jährige wird sein Amt im zweiten Halbjahr 2026 auf eigenen Wunsch niederlegen, um nach 42 Jahren im Feuerwehrdienst in den Ruhestand zu gehen.
Davor der Kern des Tages: der letzte große Bericht des Kreisbrandrats. Rund 75 Minuten sprach Michael Reitzenstein über Zahlen, Entwicklungen und Einsätze. Er zeichnete dabei das Bild einer Feuerwehr, die im Landkreis Würzburg auf stabilem Fundament steht. 4.900 aktive Einsatzkräfte, 1.400 Atemschutzgeräteträger, 1.100 Jugendliche und insgesamt 6.000 Feuerwehrdienstleistende sorgen für Sicherheit in den 52 Landkreisgemeinden mit ihren 113 Ortsteilen und ebenso vielen Feuerwehren.
Starke Feuerwehr im Landkreis Würzburg
Besonders der Blick auf den Nachwuchs fiel positiv aus: 40 Feuerwehren mit Kindergruppen und rund 700 Kinder zeigen, dass die Zukunft der Feuerwehr früh beginnt. „Kinderfeuerwehr ist Nachwuchsgewinnung und Schule fürs Leben“, sagte Reitzenstein. Ein Satz, der mehr beschreibt als Statistik.
Dass diese personelle Stärke gebraucht wird, zeigte ein Blick auf die Einsatzzahlen. 6.000 Einsätze im Jahr 2025, mehr als 46.000 ehrenamtlich geleistete Stunden, im Schnitt 16 Einsätze pro Tag. Zahlen, die nüchtern wirken, deren Dimension aber erst im Kontext greifbar wird. „Das ist eine beachtliche Zahl und eine große Leistung“, ordnete Reitzenstein ein. Hinter jeder Zahl stehen Einsätze bei Tag und Nacht, freiwilliges Engagement und die Gewissheit, dass Hilfe jederzeit verfügbar ist.
Besonders eindrücklich wurde der Bericht, als Reitzenstein von einem Einsatz sprach, der selbst für einen erfahrenen Feuerwehrmann wie ihn nach über 40 Jahren Feuerwehrdienst außergewöhnlich war: der Ölunfall auf dem Main im Dezember 2025. Ein Passagierschiff verliert Diesel, rund 2.000 Liter gelangen ins Wasser, der Fluss wird gesperrt, Einsatzkräfte arbeiten über Tage hinweg. „In dieser Dimension einmalig“, sagte Reitzenstein. Es war dieser Moment, in dem deutlich wurde, was Feuerwehr im Ernstfall bedeutet – nicht als abstrakte Aufgabe, sondern als konkrete, oft komplexe Herausforderung.
Einsätze und außergewöhnliche Herausforderungen
Landrat Thomas Eberth griff genau diesen Gedanken in seiner Ansprache auf. Feuerwehr funktioniere nur, wenn „alle Zahnräder ineinandergreifen“, sagte er und verwies auf die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. Der Einsatz auf dem Main habe eindrucksvoll gezeigt, wie leistungsfähig die Strukturen im Landkreis seien. Eberth dankte nicht nur den Einsatzkräften, sondern auch dem Kreistag für die finanzielle Unterstützung sowie den vielen Ausbilderinnen und Ausbildern, die in der Kinder- und Jugendarbeit die Grundlage für die Feuerwehr von morgen legen.
Nach der Bilanz folgte der Blick nach vorne. Die Wahl des neuen Kreisbrandrats stand an – organisiert durch das Landratsamt Würzburg, geleitet von Geschäftsbereichsleiterin Nina Opfermann, durchgeführt schriftlich und geheim. Zwei Kandidaten stellten sich zur Wahl: Heiko Menig aus Neubrunn und Daniel Hölzlhammer aus Hettstadt. Zwei unterschiedliche Lebensläufe, zwei Perspektiven – beide getragen von langjährigem Engagement in der Feuerwehr.
Wahl zwischen zwei Kandidaten und eine knappe Entscheidung
Heiko Menig, 53 Jahre alt, Bürgermeister von Neubrunn und seit fast drei Jahrzehnten Kreisbrandmeister, sprach von seiner Verbundenheit zur Feuerwehr, die ihn seit seiner Jugend begleitet. „Ich habe die Freiwillige Feuerwehr von klein auf gelernt. Ich mache Dinge mit Herz und Überzeugung“, sagte er. Feuerwehr sei mehr als Brandbekämpfung: Sie sei Teamarbeit, Verantwortung und Teil der Gemeinschaft. Sein Ziel: Bewährtes fortführen und zugleich offen bleiben für neue Strukturen.
Daniel Hölzlhammer, 38 Jahre alt, Kommandant und Ausbilder an der Staatlichen Feuerwehrschule in Würzburg, stellte die Perspektive der Einsatzbasis in den Mittelpunkt. Er kenne die Herausforderungen vor Ort, sagte er, und wolle genau diese Erfahrungen stärker einbringen. Ausbildung, Struktur und Praxisnähe waren seine zentralen Themen. Und auch er fand klare Worte: „Ich werde kein schlechter Verlierer sein.“ Ein Satz, der den fairen Umgang miteinander unterstrich.
Am Ende fiel die Entscheidung über die künftige Führung der Kreisbrandinspektion knapp, aber eindeutig aus: 101 abgegebene Stimmen, alle gültig, 54 für Heiko Menig, 47 für Daniel Hölzlhammer. Damit steht fest: Heiko Menig wird ab 1. August 2026 neuer Kreisbrandrat im Landkreis Würzburg. Landrat Thomas Eberth sprach von einem starken Zeichen.
Würdigung und Ausblick
Doch auch nach der Wahl blieb der Blick noch einmal bei dem, der den Tag geprägt hatte. Michael Reitzenstein wird sein Amt im Laufe des Jahres übergeben, die offizielle Verabschiedung steht noch aus. An diesem Tag aber waren die Worte des Dankes bereits deutlich. „Du hast immer deinen Feuerwehrmann gestanden, warst Vordenker und Wegbereiter“, sagte der Landrat. Vertreter aus Politik, Polizei und Blaulichtorganisationen schlossen sich an.
Und dann dieser Moment zum Schluss: stehender Applaus, lang anhaltend, getragen von Respekt und Anerkennung. Ein Moment, der zeigte, dass Feuerwehr im Landkreis Würzburg nicht nur Aufgabe ist, sondern gelebte Gemeinschaft.