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04.05.2026

Gemeinsame Fortbildung von Rettungskräften: Landkreise in Bayern und Baden-Württemberg stärken Zusammenarbeit bei Großschadensfällen

Bei Notfällen arbeiten Rettungsdienste im Grenzbereich zwischen Bayern und Baden-Württemberg längst routiniert zusammen. So kommt es regelmäßig vor, dass Notärzte aus Creglingen oder Wertheim im baden-württembergischen Main-Tauber-Kreis mit Rettungswagen‑Teams aus Giebelstadt im Landkreis Würzburg oder Marktheidenfeld in Main-Spessart auf bayerischer Seite gemeinsam Einsätze fahren.

Schwieriger wird es bei großflächigen Ereignissen: Unterschiedliche Systeme bei der Sichtung, Klinikzuweisung und strategischen Einsatzleitung in den jeweiligen Bundesländern können die Zusammenarbeit in der Praxis vor Herausforderungen stellen. Vor diesem Hintergrund haben sich rund 100 Führungskräfte, Mitarbeiter von Leitstellen, Behördenvertreter, Notärzte und Notfallsanitäter aus den drei benachbarten Landkreisen in der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg über die länderübergreifende Zusammenarbeit bei Großschadensfällen ausgetauscht. Die Veranstaltung organisierten der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Würzburg und der Main‑Tauber‑Kreis.

Die Leitenden Notärzte und Organisatorischen Leiter beider Bundesländer stellten zunächst Gemeinsamkeiten und Unterschiede vor. Als Grundlage einer Expertendiskussion diente ein praxisnahes Szenario: ein Brand in einem Pflegeheim im grenznahen Bereich mit einem Massenanfall von Verletzten. Unter der Moderation des stellvertretenden Landesarztes beim Bayerischen Roten Kreuz, Privatdozent Dr. Max Kippnich, analysierten die Teilnehmenden die Zusammenarbeit zweier benachbarter rettungsdienstlicher Systeme und erörterten systematisch die Einsatz- und Lageführung bei länderübergreifenden Einsätzen, Kommunikationswege und die Informationsweitergabe zwischen Leitstellen, die Sichtung von Notfallpatienten, die Klinikzuweisung bei Ereignissen mit einer Vielzahl von Verletzten und die Integration nachrückender Kräfte.

„Unfälle, Unglücke und Schadensereignisse fragen uns nicht, wo und wann wir sie am besten bewältigen können. Bei Einsätzen an der Ländergrenze müssen Handlungsrahmen und abgestimmte Standardarbeitsanweisungen sofort abrufbar sein. Jede Übung, jede Fortbildung macht uns stärker“, betonte der Würzburger Landrat Thomas Eberth. Auch die Bedeutung von Netzwerkarbeit im Bevölkerungsschutz wurde hervorgehoben. „Wir müssen in Krisen Köpfe kennen“, sagte ZRF‑Vorsitzende Christine Haupt‑Kreutzer. Beide Politiker dankten den Einsatzkräften von Rettungsdienst, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk für die Bereitschaft, sich stetig weiterzuentwickeln und fortzubilden.

Die Teilnehmenden zeigten sich mit Format und Inhalten der Fortbildung sehr zufrieden. Als konkrete nächste Schritte sind gemeinsame vertiefende Übungen sowie die Weiterentwicklung abgestimmter Standardarbeitsanweisungen geplant, wie die Initiatoren Paul Justice, Geschäftsleiter beim ZRF Würzburg, und Kreisbrandmeister Andreas Geyer im Main‑Tauber‑Kreis ankündigten.