Klimawandel, Käferbefall und knappe Wasserreserven: Das waren die Themen der landwirtschaftlichen Bereisung mit Landrat Thomas Eberth
Der Weinberg am Thüngersheimer Scharlachberg sieht auf den ersten Blick ungewohnt wild aus. Zwischen den Rebzeilen wächst Begrünung, mal liegt Stroh aus, und neben Weinreben der in Weinfranken weniger verbreiteten Sorte Calardis blanc stehen Setzlinge von Oliven- oder Mandelbäumen.
Für die Fachleute des Forschungsbetriebs der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim gilt eine Vielfalt wie diese als entscheidender Schlüssel für die Zukunft des Weinbaus und der fränkischen Kulturlandschaft. Die Abkehr von konventionellen Methoden und die Ausrichtung auf neue Sorten sei „eine der einfachsten Möglichkeiten, auf den Klimawandel zu reagieren“, lautet die Einschätzung vor Ort – und liefert so die Diskussionsgrundlage für die land- und forstwirtschaftliche Bereisung des Landkreises Würzburg.
Die jährliche Informationsfahrt des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen-Würzburg (AELF) gemeinsam mit dem Würzburger Kreisverband des Bayerischen Bauernverbands, Landrat Thomas Eberth und weiteren Vertretern von Politik, Behörden und Verbänden führte diesmal an verschiedene Forschungsstellen der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim und Thüngersheim. Die LWG mit ihren vier Instituten, anwendungsorientierter Forschung und rund 120 Studierenden pro Jahr an Meister- und Technikerschule gilt als wichtiger Innovationsstandort für Bayern. Im Mittelpunkt der Tour standen die Folgen des Klimawandels für Landwirtschaft, Weinbau, Wald und Biodiversität. Begrüßt wurde dabei auch Dr, Jörg Hirsche, der seit Oktober 2025 die LWG als Nachfolger von Andreas Maier leitet.
Weinbau besonders unter Druck
Insbesondere im Weinbau arbeiten die Forscherinnen und Forscher der LWG intensiv an Strategien zur Klimaanpassung. Denn als prägender Wirtschaftsfaktor und Touristenmagnet der Region unterliegt der Weinbau einem nicht zu übersehenden Wandel. Immer häufiger liegen Weinberge auch im Landkreis Würzburg brach. Kosten und Aufwand für den Anbau sind kontinuierlich gestiegen, und die Gefahr für Ernteausfälle durch Wetterkapriolen und Trockenheit wächst, während gleichzeitig der Absatz von Weinerzeugnissen sinkt.
Dr. Matthias Mend und Dr. Daniel Heßdörfer vom Institut für Weinbau und Oenologie stellten trockenresistente Rebsorten, neue Veredelungsmethoden und die biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung vor. Begrünte Weinberge verbessern demnach nicht nur den Erosionsschutz, sondern leisten auch einen Beitrag zum Grundwasser- und Klimaschutz. Ein Nachteil der alternativen Bewirtschaftung und des reduzierten Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln ist wiederum ein höherer Arbeitsaufwand. Die Forscher der LWG testen daher auch den Einsatz von speziellen Maschinen und geben ihre Erfahrungen an Winzerbetriebe weiter.
Gemeinsame Klimaanpassung im Austausch von Behörden, Forschung und Praxis
Landrat Thomas Eberth betonte die Bedeutung des Austauschs zwischen Behörden, Forschung und Praxis: „Wir brauchen nicht mehr darüber zu diskutieren, ob der Klimawandel existiert – er ist längst da. Jetzt braucht es Fachleute, Behörden und Landwirte, die gemeinsam Klimaanpassung umsetzen, damit wir das, was unsere Region ausmacht, in die Zukunft führen können.“ Die jährliche Bereisung helfe dabei, Entwicklungen besser zu verstehen, Wissen zu vernetzen und den Blick über den eigenen Bereich hinaus zu erweitern. Die Vertreterinnen und Vertreter der LWG hätten in diesem Jahr für einen „besonders lehrreichen Tag“ gesorgt.
Im weiteren Verlauf der gemeinsamen Tour von Politik, Behörden, Forschung und Landwirtschaft wurden das Institut für Bienenkunde und Imkerei sowie die Forschungsanlagen für Obstbau und Landschaftsgartenbau besichtigt. Große Aufmerksamkeit galt dabei modernen Bewässerungssystemen im Obstbau. Tröpfchenbewässerung könne den Wasserverbrauch um mindestens 20 Prozent senken, so die Aussage von Versuchsingenieur Alexander Zimmermann. Intensiver Obstbau sei in Franken ohne Bewässerung inzwischen kaum noch möglich, betonte er und stellte unter anderem app-gesteuerte Systeme, Versuchsreihen zu Bodeneigenschaften sowie neue Kulturen wie Mandeln, Oliven oder Kiwi-Beeren vor.
Regionale Rohstoffe aus Wald und Feld
Im Wald bei Thüngersheim standen massive Schäden an Eichenbeständen im Fokus. Trockenheit und Schädlinge wie der Zweifleckige Eichenprachtkäfer setzen den Bäumen zunehmend zu, wie Christopher Traub, stellvertretender Behördenleiter und Bereichsleiter Forsten beim AELF berichtete. In den vergangenen Jahren seien demnach 80 bis 90 Prozent des eingeschlagenen Holzes von Fraßschäden betroffen gewesen, im Wald selbst etwa ein Drittel der Bäume. Das geschädigte Holz sei lediglich als Feuerholz geeignet. Für einen widerstandsfähigeren Waldumbau plädierte Traub für eine höhere Artenvielfalt, bei der auch trockenresistente Baumsorten aus anderen Regionen der Welt genutzt werden sollten.
Zum Abschluss der Bereisung an der LWG Veitshöchheim richtete sich die Aufmerksamkeit der Teilnehmenden auf die regionale Lebensmittelversorgung. Diskutiert wurden insbesondere die Herausforderungen regionaler Produzenten, ihre Waren zuverlässig zu Verbraucherinnen und Verbrauchern zu bringen. Dabei wurde ein Problem klar benannt: Derzeit gebe es im Raum Würzburg keinen Großhändler, der auf bio-regionale Produkte spezialisiert sei. Mit einer zentralen Anlaufstelle, bei der Landwirte ihre Produkte anliefern und Gastrobetriebe ihre Waren beziehen könnten, könnte der Anteil von regionalen Bio-Lebensmitteln auf den Tellern der Menschen in der Region noch weiter erhöht und so die Wertschöpfungskette und Versorgungswege weiter verbessert werden.