Barrieren abbauen und Teilhabe stärken: Landkreis Würzburg legt ersten Aktionsplan Inklusion vor
Vielfalt ist eine Stärke: Unterschiedliche Erfahrungen, Fähigkeiten und Perspektiven verbessern das Miteinander, eröffnen neue Möglichkeiten und bereichern eine Gesellschaft als Ganzes. Deshalb will der Landkreis Würzburg die Bedingungen für Menschen mit Einschränkungen und deren Angehörige gezielt verbessern, Barrieren weiter abbauen und gesellschaftliche Teilhabe stärken. Mit dem ersten Aktionsplan Inklusion geben sich Kreispolitik und Verwaltung dafür einen konkreten Handlungsrahmen für die kommenden Jahre.
Landrat Thomas Eberth, die Leiterin des Büros für Chancengleichheit und der Gleichstellungsstelle am Landratsamt, Carmen Wallrapp, die Inklusionsbeauftragte des Landkreises Fabienne Erk und Dr. Martin Messingschlager vom Sozialplanungsinstitut BASIS stellten das mehr als 100 Seiten umfassende Gesamtwerk nun verschiedenen Fachstellen, Behördenvertretern, der Politik und der Öffentlichkeit vor.
Teilhabe darf nicht an Barrieren im Alltag scheitern
Ob ein Mensch am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann, dürfe nicht von der Lesbarkeit eines Busfahrplans oder einer fehlenden Rampe am Gebäudeeingang abhängig sein, betonte Landrat Eberth. Genau hier setze der Aktionsplan an: Er zeigt auf, wo in der Region Menschen im Alltag an Grenzen stoßen und was Landkreis, Gemeinden und weitere Akteure verändern können.
„Viele von uns nehmen Barrieren im Alltag gar nicht wahr, weil sie uns selbst nicht betreffen“, sagt Landrat Thomas Eberth. „Mit dem Aktionsplan haben wir Barrieren erstmals systematisch sichtbar gemacht. Denn nicht der Mensch muss zu unseren Strukturen passen. Wir müssen unsere Strukturen so gestalten, dass möglichst alle teilhaben können. Diese Haltung wollen wir mit dem Aktionsplan noch stärker in unserem Handeln verankern. Ich lade alle herzlich dazu ein, diesen Aktionsplan mit Tatkraft umzusetzen.“
Ein Aktionsplan, von dem alle Menschen profitieren
Grundlage für den Aktionsplan sind insbesondere die Erfahrungen von Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen aus der Region. Gemeinsam mit dem Wissen von Fachstellen, Kommunen und Einrichtungen wurden aus zahlreichen Befragungen und Beteiligungsformaten Ziele und konkrete Maßnahmen für zentrale Lebensbereiche entwickelt – von Bildung, Arbeit und Wohnen über Mobilität und Kommunikation bis zu Freizeit, Kultur und Sport.
„Wir haben in den vergangenen Jahren bereits einiges für mehr Teilhabe erreicht. Gleichzeitig bleibt noch vieles zu tun“, sagt die Inklusionsbeauftragte Fabienne Erk. „Der Aktionsplan hilft uns dabei, die Erfahrungen der Betroffenen künftig noch stärker zu berücksichtigen und Barrieren Schritt für Schritt abzubauen.“
Dabei geht Inklusion weit über einzelne Personengruppen hinaus. Leicht zugängliche Gebäude, verständliche Informationen und gut erreichbare Angebote erleichtern auch älteren Menschen, Familien mit Kinderwagen oder Menschen mit vorübergehenden Einschränkungen den Alltag. „97 Prozent der Betroffenen haben ihre Behinderung erst im Laufe ihres Lebens erworben“, zeigte Dr. Martin Messingschlager auf. „Barrierefreiheit und Inklusion sind deshalb keine Randthemen, sondern können jeden Menschen betreffen.“
Barbara Noll, Beraterin bei der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes im Landkreis Würzburg, brachte es in ihrem Impulsvortrag auf den Punkt: „Teilhabe bedeutet, wenn alle Menschen frei handeln und entscheiden können. Und wenn wir alle dort hinkommen, wo wir hinwollen – selbstbestimmt und unabhängig.“ Mit seinem Aktionsplan Inklusion hat der Landkreis Würzburg den Weg zu diesem Ziel vorgezeichnet.
Der Aktionsplan Inklusion des Landkreises Würzburg
2006 hat sich die Staatengemeinschaft der Vereinten Nationen mit einer gemeinsamen Absichtserklärung selbst dazu verpflichtet, die Rechte von Menschen mit Behinderung zu achten und zu schützen. Drei Jahre später ist diese UN-Behindertenrechtskonvention auch in Deutschland in Kraft getreten. Der Aktionsplan Inklusion überträgt diesen Anspruch auf die kommunale Ebene und soll dazu beitragen, Inklusion bei Entscheidungen und Maßnahmen von Anfang an mitzudenken.
Ab 2024 wurden in einem mehr als zweijährigen Prozess Betroffene und Angehörige im Landkreis Würzburg befragt sowie Gemeinden, Senioren- und Behindertenbeauftragte und weitere Fachakteure eingebunden. Federführend war dabei die Inklusionsbeauftragte Fabienne Erk aus dem Büro für Chancengleichheit des Landratsamtes Würzburg, die dabei vom damaligen Behindertenbeauftragten Ernst Joßberger unterstützt wurde. Das Sozialplanungsinstitut BASIS begleitete den Prozess wissenschaftlich. 2026 beschloss der Kreistag den ausgearbeiteten Aktionsplan und die dort formulierten Maßnahmen für alle Lebensbereiche als Grundlage für das weitere Handeln von Politik und Verwaltung. Aus diesen Maßnahmen sollen nun auch Veränderungen in der Gesellschaft entstehen, so die Leiterin des Büros für Chancengleichheit Carmen Wallrapp.
Der Aktionsplan ist kostenfrei sowie in Leichter Sprache erhältlich und steht in Kürze unter www.landkreis-wuerzburg.de/aktionsplan-inklusion zum Download bereit.