Landkreis Würzburg tritt Förderverein des Childhood-Hauses Würzburg bei - »Ein starkes Signal für den Kinderschutz in der Region«
Der Würzburger Kreistag hat beschlossen, dass der Landkreis dem Förderverein „Projekt Childhood-Haus Würzburg“ beitritt. Der Landkreis stärkt damit den Schutz von Kindern und Jugendlichen, die Opfer oder Zeugen körperlicher oder sexualisierter Gewalt geworden sind. Das Childhood-Haus bietet als interdisziplinäre Anlaufstelle medizinische, psychologische und juristische Unterstützung unter einem Dach, um betroffenen Kindern in einer geschützten Umgebung zu helfen.
Kinder und Jugendliche, die Traumatisierendes erlebt haben, werden bei der Aufarbeitung von Gewalt- und Missbrauchsfällen zusätzlich durch die behördlichen Abläufe belastet. Ermittlungen gehen meist mit einer Vielzahl von Untersuchungen und Befragungen einher. Mithilfe der Childhood-Häuser können Gespräche mit Medizinern, Psychologen und Pädagogen oder auch die Teilnahme an Gerichtsverhandlungen per Videoübertragung gebündelt an einem einzelnen, kindgerechten Ort stattfinden. Das Wohlbefinden der betroffenen Kinder und Jugendlichen soll so verstärkt in den Fokus rücken.
Breite Zusammenarbeit von Behörden und Fachstellen
Das Childhood-Haus geht auf eine Initiative der World Childhood Foundation zurück, die 1999 von Königin Silvia von Schweden gegründet wurde und sich weltweit für den Schutz von Kindern vor Gewalt einsetzt. In Deutschland gibt es bislang elf Childhood-Häuser, unter anderem in Berlin, München, Frankfurt und Leipzig.
Zu den Gründungsmitgliedern des Trägervereins für das Childhood-Haus Würzburg gehören die Julius-Maximilians-Universität und die Universitätsklinik Würzburg, Wildwasser Würzburg e.V., pro familia Unterfranken, die Flyeralarm Kids Foundation, das Landratsamt Main-Spessart, Menschenskinder e.V. sowie die Leiterin der Stabsstelle Standortmarketing der Stadt Würzburg, Åsa Petersson. Wichtige Kooperationspartner sind zudem die bayerische Justiz, die Polizei und die Staatsanwaltschaft Würzburg.
„Mit dem Beitritt des Landkreises Würzburg zum Förderverein setzten wir ein weiteres starkes Signal für den Kinderschutz in der Region“, freut sich Landrat Thomas Eberth über die einstimmige Entscheidung des Kreistags. „Die Dunkelziffer im Bereich häusliche Gewalt ist groß. Wir hoffen, dass wir mit dem Childhood-Haus die Hürden für die Familien senken, sich jemandem anzuvertrauen und Hilfe in Anspruch zu nehmen.“
Einrichtung des Childhood-Hauses Würzburg auf der Zielgeraden
Gemeinsam mit der Stadt Würzburg wird sich der Landkreis vor allem personell beteiligen. Stadt und Landkreis Würzburg wollen gemeinsam eine Vollzeitstelle für die Fallbetreuung im Rahmen des gesetzlichen Kinderschutzauftrags stellen. Jeweils eine weitere halbe Stelle werden von Wildwasser e.V., von der Universitätskinderklinik und der Kinder- und Jugendpsychiatrie gestellt. In den ersten zwei Jahren ist die allgemeine Finanzierung des Childhood-Hauses durch Spenden der Flyeralarm Kids Foundation, der Sternstunden Stiftung und der Vogel Stiftung gesichert. Ab dem dritten Jahr ist eine Förderung durch den Bund geplant, wie im Koalitionsvertrag angekündigt. Zusätzlich finanziert die Flyeralarm Kids Foundation im ersten Jahr eine Projektkoordinatorin, die unter anderem den Ausbau der Räumlichkeiten verantwortet. Die Räume selbst stellt die Julius-Maximilians-Universität Würzburg.