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17.03.2026

Studie zur Landwirtschaft in der Bergtheimer Mulde: Experten weisen Nutzung von Mainwasser als sinnvollste Lösung im Kampf gegen Wasserknappheit aus

Die Bergtheimer Mulde ist eine fruchtbare Region für den Ackerbau im nördlichen Landkreis Würzburg. Auf rund tausend Hektar bauen Landwirte neben Getreide, Mais und Zuckerrüben vor allem Biogemüse für den regionalen Handel an. Zudem kultivieren sie Spezialitäten wie Pfingstrosen. Das 150 Quadratkilometer große Gebiet gilt zugleich als eine der trockensten Gegenden in Bayern. In niederschlagsarmen Zeiten greifen die Landwirte daher zur Bewässerung ihrer Felder auf Grundwasser zurück.

Um dem schonenden Umgang mit der Ressource Wasser, dem Arten- und Naturschutz sowie gleichzeitig der Versorgungssicherheit mit regionalen Lebensmitteln Rechnung zu tragen, hat die Gemeindeallianz Würzburger Norden als Zusammenschluss der Gemeinden Bergtheim, Hausen, Kürnach, Oberpleichfeld, Prosselsheim und Unterpleichfeld im Jahr 2023 – unterstützt durch den Landkreis Würzburg – eine geförderte Pilotstudie in Auftrag gegeben. Darin wurden die technischen und finanziellen Voraussetzungen für eine künftige Bewässerung in der Bergtheimer Mulde unabhängig von einer Nutzung des Grundwassers untersucht. Zudem wurden eine Klimaanpassungsstrategie und die Auswirkungen der Trockenheit auf die Biodiversität betrachtet. An der Erstellung der Studie beteiligt waren das Landesamt für Umwelt, die Regierung von Unterfranken, das Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg, das Landratsamt Würzburg und weitere Fachbehörden.

Das auf Wasser- und Umweltthemen spezialisierte Ingenieurbüro Röschert aus Würzburg stellte die Ergebnisse seiner Studie nun bei einer Pressekonferenz im Landratsamt im Beisein von Bergtheims Bürgermeister Konrad Schlier als Vorsitzendem der Allianz, Landrat Thomas Eberth und weiteren Behördenvertretern den Medien vor.

68 bis 85 Millionen Euro für Bewässerungssystem nötig

Insgesamt kommen die beauftragten Experten in ihrer Studie zu dem Ergebnis: Der Anbau von Sonderkulturen in der Region kann ohne zusätzliche Bewässerung langfristig kaum bestehen. Als technisch und wirtschaftlich sinnvollste Lösung gilt die Entnahme von Wasser aus dem zwischen sechs und zwölf Kilometer entfernten Main. Dieses könnte in niederschlagsreichen Wintermonaten aufbereitet, in großen Speicherbecken zwischengespeichert und anschließend über ein Leitungsnetz zu den landwirtschaftlichen Feldern verteilt werden, um diese je nach Niederschlag und den Bedürfnissen der Pflanzen zu bewässern.

Für die 933 Hektar landwirtschaftlicher Flächen wurde ein zusätzlicher Wasserbedarf von durchschnittlich 1,1 Millionen Kubikmetern pro Jahr ermittelt. Dieser Zusatzbedarf entspricht ungefähr 20 Prozent der durchschnittlichen jährlichen Niederschlagsmenge und soll nur in trockenen Perioden eingesetzt werden.

In der Studie wurden mehrere mögliche Wasserquellen berücksichtigt, darunter Regenwasser, Oberflächengewässer, Grundwasser sowie aufbereitetes Abwasser. Für deren Nutzung wären unter anderem ein Entnahmepumpwerk, mehrere Aufbereitungsanlagen, fünf Wasserspeicher sowie 35 Kilometer Verteilungsleitungen erforderlich. Je nach Variante werden Investitionskosten zwischen 68 und 85 Millionen Euro veranschlagt.

Neben einer reinen Mainwasserlösung wurden auch Varianten untersucht, bei denen zusätzlich Regenwasser aus kommunalen Trennsystemen – etwa in Kürnach, Bergtheim oder Unterpleichfeld – genutzt wird. Diese Ansätze sind grundsätzlich ökologisch sinnvoll, erfordern jedoch deutlich mehr technische Anlagen, Leitungen und zusätzliche Aufbereitungsschritte. Dadurch steigen sowohl der bauliche Aufwand als auch die Investitionskosten erheblich. Varianten mit zusätzlicher Brunnen- oder Grundwassernutzung werden ebenfalls kritisch gesehen, da sie nur in wenigen Bereichen möglich wären und potenzielle Auswirkungen auf den Grundwasserhaushalt haben könnten.

Landrat Thomas Eberth: „Nichts tun ist der falsche Weg“

Trotz der hohen Investitionssumme blickten die politischen Vertreter bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie optimistisch in die Zukunft. Landrat Thomas Eberth betonte, dass bereits im Jahr 1970 beim Bau des Brombachsees die Wasserüberleitung in den trockenen Norden, der Hochwasserschutz und die landwirtschaftlichen Potenziale erkannt und für viel Geld realisiert wurden. „Darüber müssen wir in der Konsequenz jetzt diskutieren. Denn nichts zu tun ist eindeutig der falsche Weg“, sagte Landrat Thomas Eberth.

Auch Bergtheims Bürgermeister Konrad Schlier, Sprecher der kommunalen Allianz Würzburger Norden und Auftraggeber der Studie, machte deutlich, dass damit ein weiterer Schritt gegangen wurde, durch den objektive Daten vorliegen und sich neue Fragen ergeben, die es zu beantworten gilt. Gemeinsam mit Landrat Eberth erläuterte Schlier, dass nun auch der Freistaat Bayern einbezogen werden müsse, um die regionale Lebensmittelversorgung zu sichern, die heimische Landwirtschaft zu stärken und die Selbstversorgung mit Lebensmitteln weiter auszubauen.

Im nächsten Schritt wird die Studie in einer interkommunalen Gemeinderatssitzung vorgestellt und im Anschluss auch der Öffentlichkeit präsentiert.