Gemeindliche Behindertenbeauftragte im Austausch am Blindeninstitut Würzburg: Einblicke in Modellprojekt und wichtige Impulse für mehr Barrierefreiheit
Sehen und Hören sind zentrale Voraussetzungen für Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Doch Millionen Menschen in Deutschland sind von Einschränkungen betroffen. Wie Kommunen darauf reagieren können, stand im Mittelpunkt eines Treffens der gemeindlichen Behindertenbeauftragten des Landkreises Würzburg im Blindeninstitut Würzburg.
Dabei ging es um dessen Modellprojekt „Sinnesbeeinträchtigungen in der Pflege im sozialen Nahraum“. Es setzt genau dort an, wo Unterstützung im Alltag gebraucht wird: vor Ort in den Gemeinden. Ziel ist es, Barrieren frühzeitig zu erkennen, die Gesundheitskompetenz zu stärken und konkrete Hilfsangebote für Menschen mit Hör- und Sehbeeinträchtigungen auszubauen. Vorgestellt wurde das Projekt von den Referentinnen Amelie Seidel, Valerie Sokol, Arnela Dzinic und Anna-Maria Koop-Matthes aus dem Projektteam des Blindeninstituts Würzburg. Gefördert wird das Projekt durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention.
Die Dimension des Themas ist erheblich: Rund zehn Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer nicht heilbaren Augenerkrankung, etwa 16 Millionen sind schwerhörig. Die Tendenz steigt mit zunehmendem Alter. Für die kommunale Praxis bedeutet das: Barrierefreiheit ist keine Nischenaufgabe, sondern eine zentrale Zukunftsfrage. Vor diesem Hintergrund kommt dem derzeit in der Finalisierung befindlichen Aktionsplan Inklusion für den Landkreis Würzburg eine besondere Bedeutung zu. Daher nahm auch die Inklusionsbeauftragte des Landkreises, Fabienne Erk, an dem Treffen teil.
Konkrete Ansätze für mehr Barrierefreiheit im Alltag
Welche Lösungen möglich sind, wurde im Austausch konkret: bessere Beleuchtung und Kontraste im Wohnumfeld, optimierte Raumakustik, technische Hilfsmittel sowie eine klare und angepasste Kommunikation im Alltag. Ebenso wichtig ist die Sensibilisierung von Fachkräften und ehrenamtlich Engagierten – ein Ansatz, den das Modellprojekt gezielt verfolgt. Dass gute Netzwerke dabei entscheidend sind, zeigte sich auch im intensiven Austausch der Behindertenbeauftragten untereinander. Erfahrungen aus den Gemeinden, neue Kontakte und praxisnahe Impulse standen im Vordergrund mit dem gemeinsamen Ziel, Teilhabe vor Ort weiter zu stärken.
Ergänzt wurde das Programm durch Einblicke in die Arbeit des Blindeninstituts Würzburg. Ressortleiter Frederik Merkt führte über das Gelände und stellte die vielfältigen Angebote der Einrichtung vor. Zum Abschluss kündigte der Behindertenbeauftragte des Landkreises Würzburg, Ernst Joßberger, an, dass sein Amt am 30. April 2026 endet, da er nicht mehr für den Kreistag kandidiert hatte. Eine offizielle Verabschiedung sowie die Einführung einer Nachfolge sind für den Sommer geplant. Zugleich appellierte er an die Gemeinden, die wichtige Funktion der Behindertenbeauftragten weiterhin aktiv zu besetzen und damit ein starkes Zeichen für Inklusion und Teilhabe zu setzen.